Gedanken

February 16, 2014

Gedanken

Jeder denkt, ich sei so stark. Die Wahrheit ist: das bin ich nicht, ich jammere, ich heule, ich bemitleide mich. Ich lasse nur nicht zu, dass die Leute um mich herum das merken und lasse nicht zu, dass das Selbstmitleid mich aufhält.
Vor dem Schlaganfall hatte ich eine Knochenmarks- Infektion die so schmerzhaft war, dass ich sterben wollte. Ich habe die schönen Dinge, die ich noch immer im leben hatte, nicht mehr gesehen. Eigentlich war es nicht viel, das mir geblieben war. Aber ich hatte unglaubliche Unterstützung von Freunden, Familie und meinem Partner. Ich hatte meine wunderschöne Wohnung mit Fischteich im Garten, meine Tanzcrew- ich hatte ein Leben, das ich liebte und vermissen würde, aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich das nicht sehen. Ich sah meine Schmerzen, meine Probleme und die Dinge, die ich NICHT tun konnte.

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Dann kam der Schlaganfall, ich habe kaum Erinnerungen an die Nacht. Ich ging ins Bett, wachte auf der Intensivstation wieder auf, als eine Ärztin mich fragte, was sie tun sollten, wenn die Schwellung des Gehirns und somit das Ansteigen des Hirndrucks nicht aufhöre. Sie erklärte, dass ich einen Schlaganfall hatte und nun halbseitig gelähmt sei. In diesem Moment war mir nicht klar, was dies für meine Zukunft bedeuten würde, aber ich sagte ihr, dass ich lieber sterben wolle als meinen Schädel geöffnet zu bekommen.

Das Anschwellen des Gehirns stoppte wie von Zauberhand. Ich starb nicht. Ich wurde nach ungefähr 1 Woche auf eine Schlaganfall-Station verlegt. Ich registrierte, dass ich nun in einer wesentlich schlechterem Situation war. Ich könnte nicht mehr alleine essen. Ich musste Windeln tragen. Ich konnte nichtmal dann sitzen, wenn zwei Personen mich festhielten. Ich dachte damals noch ich würde mich innerhalb weniger Tage erholen.

Nach einigen Wochen wurde ich in eine Reha-Klinik verlegt. Sie sagten mir, dass ich nie wieder laufen werde können. Auch meinen linken Arm werde ich nie wieder benutzen können, teilte man mir mit. Ich begann zu erkennen, wie furchtbar das Leben jetzt war. Ich konnte nicht alleine duschen. Mich nicht anziehen. Konnte nicht alleine zur auf Toilette gehen. Konnte mir meine Kleidung nicht aus dem Schrank aussuchen, da ich nicht vor dem Kleiderschrank stehen konnte. Ich konnte im Bett nichtmal alleine meine Position verändern und musste von Pflegern umgelagert werden. Es war ein Albtraum. Mir wurde klar, dass ich nie wieder tanzen werde. Ich musste meine geliebte Wohnung aufgeben und in einen Ort umziehen, in dem ich mich auch heute, fast zwei Jahre später, nicht zu Hause fühle. Ich verlor die Fähigkeit, mich länger zu konzentrieren und konnte nicht mehr so logisch und schnell denken wie zuvor. Ich fühlte mich schrecklich.

In dieser Zeit war ich kurz davor, aufzugeben. Wäre ich allein in der Reha- Klinik gewesen, hätte ich aufgegeben. Aber Luis kam nach Deutschland und half mir, dass durchzustehen. Ich erlernte wieder zu stehen, zu laufen und sogar meinen linken Arm ein bisschen zu bewegen.

Wieder einmal meistere ich eine Situation, die eigentlich mein Leben hätte beenden sollen. Im Moment geht es mir ganz ok, ich war in Miami im Urlaub, habe Luis besucht.
Ich trainiere um meine Fitness wenigstens teilweise zurückzubekommen. Ich habe neue Personen gefunden, die sich um mich kümmern und für mich da sind. Aber am wichtigsten ist: ich habe eine Bedeutung im Leben gefunden.

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(Dieser leuchtende, neue Tag…
Komplette 24 Stunden voller Möglichkeiten, Entscheidungen und Einstellungen.
Ein perfektes zusammenpassende Spanne vom 1440 Minuten. Dieses einmalige Geschenk, dieser eine Tag, kann nicht ersetzt oder rückerstattet werden, behandle ihn vorsichtig , Mach das beste und meiste daraus. Jeder lebt ihn nur einmal)

Ich weiß ich werde niemals laufen oder wie früher. Ich weiß dass ich durch die Medikamente und die Wochen in Bett und Rollstuhl viel zuviel zugenommen habe. Ich werde nie mehr sein wie vorher. Aber ich lebe. Ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen aber das geht nicht. Ich kann nicht behaupten, dass ich das Leben, das ich momentan habe, liebe. Aber ich bin dankbar dafür dass ich mich überhaupt ein bisschen
erholt habe und für all die Hilfe und Unterstützung die ich bekommen habe und noch immer bekomme.

Im Moment bin ich nicht sicher, wo ich hin will und was ich im Leben machen will. In Miami, direkt am Meer, war meine Lunge unglaublich gut. Ich wünschte ich könnte dorthin ziehen. Ich bräuchte eine Krankenversicherung, was nicht grad einfach ist in den USA. Falls ich in Deutschland bleibe, möchte ich mich nochmal zur Transplantation vorstellen und eine schulische Ausbildung anfangen, etwas aus meinem Leben machen, nicht nur meine Zeit verschwenden.
Wenn ich eines gelernt habe, dann dass unsere Zeit wertvoll und kurz ist. Jeder einzelne Tag, an dem wir lächeln, verdient unsere Wertschätzung. Ich habe immer gesagt, dass ich schätze, was ich habe. Aber jetzt weiß ich, ich habe nie geschätzt, dass ich laufen, lesen oder denken konnte. All diese Dinge waren einfach normal- auch für mich.

Aber Dinge ändern sich…
Wahrscheinlich gabs in meinem Leben mehr “gestern” als es noch “morgen” geben wird. Aber jetzt schätze ich wirklich jede gute Minute, jeden Schritt, den ich mache, jede Sekunde in der Sonne. Ich habe meine Lektion gelernt. Es war sehr hart. Aber ich hab es geschafft. Und ich glaube ich bin stärker denn je zuvor.

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(Egal was das leben dir bringt, sogar wenn es dir weh tut, bleib stark und verhalte dich, wie du es immer tust denn starke Mauern wackeln, aber sie stürzen niemals ein.

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