29 – Zurück in der Klinik

May 30, 2012

Heute musste ich zurück ins Krankenhaus. Ich denke viel nach. Ich fühle mich heute nicht gut.
Vor zwei Tagen hatte ich einen guten Tag.
Ich fühlte mich gut, ich hatte keinen blauen Lippen, weil ich besser atmen konnte als normalerweise.

Ich war mit ein paar Freunden draußen, und wir saßen auf einen Spielplatz und redeten und hatten Spaß.

Manchmal war ich sehr ruhig, ich versuchte alles zu sehen, jede Blume zu riechen, jeden Augenblick und jedes Detail in meiner Erinnerung zu speichern. Ich fühlte mich, als würde ich all das bald verlieren. Ich weiß nicht, warum ich so fühlte. Aber es war ein sehr starkes Gefühl.
Abends aßen wir gemeinsam und hatten eine gute Zeit. Ich kam spät nach hause und fühlte mich müde. Ich konnte jedoch trotzdem nicht schlafen und war die ganze Nacht wach.
Gestern kaufte ich ein paar Sommerkleider nachdem ich bei meinem Arzt war. Ich fühlte mich sehr schlecht, weil meine Lunge über Nacht viel schlechter geworden war.
Dann holte ich zwei Freundinnen ab und wir gingen zusammen ins Kino.
Ich konnte seit einigen Tagen nicht richtig essen, deswegen wollte ich noch einen Burger kaufen und versuchen zu essen. Meine erste Mahlzeit an diesem Tag – um 7:00 Uhr abends.
Ich war wirklich hungrig aber obwohl ich unbedingt diesen Burger essen wollte, war es sehr schwer für mich weil ich so schwer atmete. Ich brauchte 90 Minuten um diesen blöden kleinen Burger zu essen.
Ich hatte die ganze Zeit starke Schmerzen und konnte kaum sitzen… Mir gefiel der Film, aber die Schmerzen lenkten mich sehr stark ab. Ich war trotzdem glücklich, weil ich überhaupt ausgehen konnte.

Auf unserem Heimweg hatte ich immer noch starke Atembeschwerden. Ich wurde sehr traurig. Es ist hart zu akzeptieren, dass du so krank bist, dass du nicht einmal einen Burger essen kannst, oder einen Film ohne Schmerzen anschauen.
Die letzten Tage waren besser als normalerweise. Aber seit gestern fühle ich mich sehr schlecht. Vor allem nachts. Ich kann nicht atmen und ich fühle mein Herz wie wild schlagen. Ohne einen normalen Rhythmus.
Wenn die Lunge schlechter wird, muss das Herz mehr arbeiten, und nach einer Weile kann dies das Herz zerstören.
Ich fühle meinen Rücken schlechter werden. Letzte Nacht schlief ich kaum weil die Schmerzen mich so oft auf weckten. Die Fahrt ins Krankenhaus war schrecklich. Die Schmerzen brachten mich fast um und meine Luft wird immer schlechter.
Ich teile das Zimmer dieses mal mit einer jüngeren Frau. Aber sie wird heute Nacht nicht hier sein. Ich bin glücklich allein zu sein obwohl die Dame sehr nett ist.
Die Ärzte sagen, dass sie nicht viel für mich tun können. Der Rücken muss heilen bevor ich wegen den Transplantationsuntersuchungen in die andere Klinik gehen kann. Aber der Rücken heilt nicht. Sie sagen, dass es nichts gibt, das sie tun können um die Heilung zu fördern.
Wahrscheinlich werden sie mich in ein paar Tagen nach hause gehen lassen, weil sie mir nicht helfen können.
Sie geben auf.
Ich sage immer, dass ich nicht aufgeben werde, und dass ich kämpfen werde. und ich werde nicht aufgeben. Aber kämpfe ich wirklich?
Mein Feind ist unsichtbar. Das einzige, was ich tue, ist mich viel auszuruhen. Meine Therapien und Behandlungen zu machen. Ich mache nichts. Ich sitze hier und warte. Ich wünschte ich könnte wirklich kämpfen. Ich wünschte ich könnte etwas tun. Etwas, dass ein Ergebnis haben würde. Hart arbeiten. Oder was auch immer. Aber nur auszuruhen und zu hoffen, dass der Rücken heilen wird wenn ich mich nicht bewege, bringt mich um.
Ich fühle mich hilflos. Ich mache alles was die Ärzte mir sagen. Aber egal was ich tue oder nicht tue – es geht mir schlechter.
Es ist schwer seinen eigenen Körper aufgeben zu sehen, während der Kopf noch kämpft, während man voller Hoffnung und mentaler Stärke ist. Man sagt der Wille kann Berge bewegen. Ich frage mich, warum er nicht den Schleim aus meinen Lungen bewegen kann.
Ich werde sauer. Auf meinen Körper. Auf die Welt. Auf die Mukoviszidose. Ich fühle mich als ob meine Zeit abläuft. Ich fühle mich gestresst. Nervös. Ängstlich. Wütend.
Manchmal fühle ich mich besser und dann fühle ich mich als ob alles nur ein Albtraum wäre. Ich denke, dass ich aufwachen werde. Ich fühle mich dann unschlagbar.
manchmal akzeptiere ich die Situation und bleibe einfach ruhig und friedlich im Bett.
Momentan möchte ich kämpfen aber es gibt nichts, was ich bekämpfen könnte. Ich kann meinen Feind nicht sehen. Ich weiß nur, dass ich nicht sterben will. Und dass ich atmen will. Dass mein Rücken heilen muss damit ich eine neue Lunge bekomme. Ich weiß nur gerade nicht wie ich all das erreichen soll.

One Response to “29 – Zurück in der Klinik”

  1. Dani Says:

    Liebe Dani,

    du bist so tapfer… höre nie auf zu kämpfen… jeder Tag ist wertvoll…auch wenn es für dich nicht einfach ist…
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Hoffnung

    LG Dani

    P.s. kannste dich noch an mich erinnern????🙂


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