28 – Die letzten Tage daheim

May 28, 2012

Letzte Nacht habe ich überhaupt nicht geschlafen. Am Mittwoch muss ich zurück ins Krankenhaus, aber ich hatte zwei wundervolle Wochen zuhause. Luis war für zehn Tage hier und wir machten einen Kurzurlaub in den Berge für drei Tage. Wir hatten wirklich eine ganz tolle Zeit.

Mit meinem Cousin und seiner Freundin fuhren wir auch an den Bodensee. Wir waren mehr unterwegs als zuhause. Es war so cool.

Aber leider war das alles sehr viel für mich und seit er zurückgeflogen ist bin ich zuhause und habe starke Schmerzen und fühle mich schlecht.
Das andere Krankenhaus, in das ich mit Luis gegangen bin, hat mich angerufen. Sie sagten mir, dass sie eine Transplantation nicht für unmöglich halten. Aber sie wollen mehr Tests machen und so muss ich bald dorthin gehen. Ich hoffe so sehr, dass sie mich wieder auf die Liste setzen. Meine Lungen ist schon sehr schlecht, so dass die Transplantationsärzte sagen, dass ich nur eine kurze Wartezeit hätte. Vielleicht drei Monate. Manche Patienten warten länger als zwei Jahre.
Meine Stimmungen sind sehr verwirrend. Manchmal fühle ich mich unschlagbar und unsterblich. Und manchmal bin ich überzeugt, dass ich sterben werde, und ich beginne mich traurig zu fühlen, wenn ich an all die Dinge denke, die ich noch machen möchte. In diesen Momenten fühle ich mich, als ob meine Zeit abläuft.
Letzte Nacht habe ich mich so gefühlt. Ich war so traurig und konnte bis 7:00 Uhr morgens nicht schlafen, obwohl ich einen tollen Abend hatte. Meine Freunde besuchten mich und wir grillten und ich lachte mehr als all die letzten Monate.

Meine Familie unterstützt mich so sehr und vielleicht werde ich mit meinen Vater und meinen Brüdern für eine Woche in den Urlaub gehen, wenn ich aus dem Krankenhaus rauskomme. Ich genieße die Sonne so sehr.

Im Krankenhaus vermisse ich all diese Dinge. Ich vermisse die Sonne und den Wind. Ich vermisse den Geruch der Blumen draußen. Im Moment kann ich nicht gut laufen, aber ich verbringe den ganzen Tag in meinen Garten, lese Bücher oder Schaue Filme mit meinem neuen IPad.
Gestern fuhr ich mit meinem Auto in der Sonne und habe laut Musik gehört – das entspannt mich so sehr, es ist die beste Ablenkung der Welt.
Ich versuche meine Zeit so sehr ich kann zu genießen. Letzte Woche traf ich zwei Freundinnen. Wir gingen zusammen in die Grundschule und haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen. Es war so cool sie wieder zu sehen. Aber als wir redeten, bemerkte ich, wie verschieden unsere Leben doch sind. Sie reden über ihre Arbeit, sie planen Kinder zu haben. Ich plane nur zu überleben, so lange ich kann. Ich plane meinen nächsten Krankenhausaufenthalt. Ich bin dankbar, für jedes Jahr, dass ich lebe.
Wir schauten Bilder von uns an, auf denen wir sechs Jahre alt waren. Ich fühlte mich komisch. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich jemals so krank sein würde.

Ich träumte wie jedes andere Kind. Ich wollte Anwältin werden oder Ärztin, Sängerin, Schauspielerin oder Polizistin. Ich war ein glückliches Kind. Ich vermisse diese Zeit. Die Zeit, in der ich dachte, ich würde für immer leben.
Heute fühle ich mich etwas besser als normalerweise und ich hoffe ich kann heute ins Kino gehen. Ich liebe das Kino. Ich kann nicht in die Disco gehen, oder auf große Partys, aber mit meinen Freunden ins Kino zu gehen gibt mir das Gefühl, normal zu sein.
Vor einigen Monaten schrieb ich eine Liste mit all den Dingen, die ich noch machen möchte, bevor ich sterbe. Ich hoffe eines Tages kann ich all diese Dinge wirklich tun. Ich hoffe ich bekomme meine neue Lunge.
Aber ich bin auch auf den schlimmsten Fall vorbereitet. Ich habe sogar schon meine Beerdigung geplant. Ich glaube meine Eltern werden andere Probleme haben, wenn ich gestorben bin. Es sollte nicht so sein. Eine 25 -jährige Person sollte nicht ihre eigene Beerdigung planen müssen. Es ist einfach nicht richtig.
Aber ich habe meine Krankenhauspause wirklich genossen. Ich hatte so viele wundervolle Momente, die mir über schlechte Zeiten hinweg helfen werden…

Ich werde niemals aufgeben. Ich habe meinen Weg gefunden, mit all den Monaten im Bett umzugehen. Ich träume mich weg. Ich male und zeichne. Ich höre Hörbücher und schaue Filme. Ich rufe meine Familie und Freunde an. Und natürlich lese ich all die lieben Nachrichten, die meine Leser hier mir schicken. Ich werde niemals aufhören zu kämpfen.
Ich will diese neue Lunge. Ich will leben. Ich will eine Zukunft haben.

2 Responses to “28 – Die letzten Tage daheim”

  1. Uwe Says:

    Hi Dani, never stop dreaming, some dreams come true. Ich wünsch es dir von Herzen. Und wenn mir eine gute Fee begegnet und mir nur einen einzigen Wunsch schenkt, ich weiß, was ich mir wünsche…..und es ist nichts für mich. Wie bei jeder Sternschnuppe…immer der gleiche Wunsch. And I wish it comes true. Hugs y besos

  2. Mrs. K. Electro Says:

    Hi Dani, manchmal werden Träume wahr, wenn man ganz fest an sie glaubt! Höre niemals auf daran zu glauben und zu kämpfen! Du bist der tapferste Mensch den ich kenne und das beeindruckt mich sehr! Ich drücke Dich ganz, ganz lieb!!


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: