27 – Nicht aufgeben

May 13, 2012

Jetzt habe ich ewig nicht geschrieben. Am Samstag vor 8 Tagen bin ich endlich nach Hause.
Nachdem ich ewig geübt hatte zu laufen, hat das dann auch problemlos geklappt.
Die Ärzte sagen, dass ich wegen meinem Rücken absolute Bettruhe halten muss, aber ich merke wie sehr meine Lungen darunter Leiden, deswegen stehe ich nun trotz Querschnitts-Risikos auf.
Als erstes habe ich mich zu Hause in mein Auto gesetzt und bin herum Gefahren. Endlich war ich mal allein- zum ersten mal seit Wochen.
Ich habe rumgeschrien, gesungen und mich einfach gefreut. Ich war endlich frei.
Mit Luis habe ich mich dann nächsten Tag vertragen. Für ihn war der Schock auch sehr groß und er wusste auch nicht wie er mit der Situation umgehen soll.
Die Woche war sehr anstrengend für mich. Meine Lungen sind durch die Bettruhe sehr schlecht geworden. Selbst die kleinsten Dinge fallen mir schwer, auch wenn ich versuche, das zu verstecken und zu verheimlichen.
Am Freitag kam Luis dann nach Deutschland. Ich habe mich natürlich riesig gefreut und bin froh, dass er da ist.
Wir waren bei der Hochzeit meiner Schwester, und es war total schön. Allerdings auch manchmal schwierig für mich.
Dieses Mitleid und diese Traurigkeit, die die Leute in den Augen haben, wenn sie mich ansehen, ist kaum zu ertragen. Es ist, als wäre ich schon tot.
Der Gottesdienst war sehr schön. Doch ich musste die ganze Zeit daran denken, dass der Ablauf, die Gebete etc bei meiner Beerdigung ungefähr die selben sein werden. Es war komisch.
Ich war stolz auf meine Schwester und glücklich, dass ich dabei sein konnte. Aber ich fragte mich auch, ob ich jemals die Zeit haben werde, zu heiraten. Die Zukunft zu genießen. Ob ich überhaupt eine Zukunft habe.
Ich habe den Tag sehr genossen. Es fiel mir schwer, dass ich nicht tanzen konnte wie alle. Ich fühle mich oft eingesperrt in meinem Körper. Er ist wie ein gefängnis. Ich will Soviele Dinge tun, aber mein Körper lässt mich nicht.
Morgen gehe ich in ein anderes Krankenhaus, um zu sehen, ob die mich transplantieren. Die Chancen sind sehr gering, aber ich will nicht aufgeben.
Ich will in jede Klinik gehen, die Lungen transplantiert, solange, bis eine zustimmt. Ich hoffe, ich werde genug Kraft haben und lange genug durchhalten.
Es hilft mir sehr, dass Luis im Moment hier ist, aber es ist schade, dass er nach 10 Tagen wieder zurück fliegen wird. Es ist schwer zu wissen, dass wir wohl nie gemeinsam wohnen werden und ich wohl wahrscheinlich alleine sterben werde.
Ich versuche einfach, gerade jeden Moment zu geniessen. Auch wenn es oft schwer fällt, bei all den Schmerzen und der Atemnot…
Aber ich werde nicht aufgeben. Wünscht mir Glück für morgen.

One Response to “27 – Nicht aufgeben”

  1. Mrs. K. Electro Says:

    Ich drücke Dir ganz ganz feste die Daumen für morgen und werde den ganzen Tag in Gedanken bei Dir sein! Du bist sehr tapfer und stark! big hugs, love u


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