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May 5, 2012

Jetzt habe ich eine Ewigkeit nicht geschrieben…
Am Mittwoch wurde mir gesagt, dass ich nicht transplantiert werde. Der Arzt war eiskalt und sehr unfreundlich. Er nahm sich für das Gespräch nur wenige Minuten Zeit und sagte mir das quasi zwischen Tür und Angel.
Kein Wort darüber, wie es weitergehen wird. Keine Aufmunterung. Keine emotionale Reaktion.
Er sagte nur, da meine Transplantation wegen der schwachen Knochen ein Risiko ist und ich dabei eventuell sterben werde, geben sie die Lunge lieber jemand anderem.
Als ich sagte, dass ich ja aber ohne Transplantation auch sterbe, erklärte er mir, dass sie ja nicht Angst um mich, sondern um das Organ haben. Dass sie die Lunge sozusagen vergeuden, falls ich nach Transplantat sterbe.
Ich hatte irgendwie damit gerechnet, dass dies passieren wird. Trotzdem weinte ich für 20 Minuten.
Dann fing ich An, zu organisieren, irgendwo anders eventuell eine Lunge zu bekommen.
Danach stand ich trotz strenger Bettruhe auf und duschte. Zum ersten Mal seit langem. Das tat so gut.
Ich übte auf dem Flur laufen, und je mehr ich mich bewegte, desto mehr kam das Gefühl zurück. Es war als erinnerten sich meine Füße wieder daran, was ihre Aufgabe war.
Ich wusste, dass mein Lieblingssänger Daddy Yankee in der Nähe ein Konzert gab. Da ich ihn und seine Crew kenne, rief ich den Tourmanager an und fragte, ob ich ohne Eintrittskarte kommen kann, und dass ich irgendwo ohne Fans sitzen muß, weil ich ja noch sehr schwach bin.
Alles wurde organisiert und ich verließ auf eigene Verantwortung die Klinik. Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren.
Ich war vor dem Konzert 4 Stunden backstage bei der Crew und bei Yankee. Weil Luis nicht mit mir über alles reden wollte, redete ich mit zwei guten Freunden aus der Crew.

Wir redeten sehr lange. Über leben, sterben. Gott. Hoffnung. Aufgeben. Kämpfen.
Sie waren für mich da und haben mir unglaublich geholfen.
Das Konzert war total toll und baute mich wieder ein bisschen auf.
Als ich nachts zurück in der Klinik war, dachte ich immernoch nach, aber war emotional stabiler als vorher.
Ich hoffte, Luis würde sich irgendwann doch Zeit nehmen mit mir zu reden. Doch er schaute fern und las und als ich ihm eine Nachricht schickte fing er an zu streiten.
Also Ließ ich ihn in Ruhe, saß in meinem Bett und versuchte alleine mit der Situation fertig zu werden.
Am Donnerstag besuchte mich meine Mutter. Für sie war es genau wie für den Rest meiner Familie furchtbar schlimm. Luis redete mach wie vor nicht mit mir über die Situation.
Freitags, also gestern, wurde er dann sauer weil er nichts davon wusste, dass ich laufen kann. Doch wie hätte ich es ihm sagen sollen? Ich hatte mehrmals erwähnt dass ich dringend mit ihm sprechen müsse, doch er hatte ja wichtigeres zu tun.
Ich sagte ihm, wie sehr es mich verletzt, dass er mich alleine lässt wenn ich ihn am meisten brauche. Mir wurde nur gesagt ich übertreibe.
Ich habe für mich entschlossen, dass ich Menschen in meinem Leben will, die auch für mich da sind wenn es mir richtig dreckig geht. Und nicht nur wenn man mit mir Spass haben kann.
Also haben Luis und ich uns erst einmal getrennt. Ich hatte gehofft, dass er wenigstens versuchen würde um mich zu kämpfen und mir zu zeigen, dass er mit mir zusammen sein will- auch wenn ich keine guten Überlebenschancen mehr habe. Leider hast er das nicht getan und ich habe keine Worte dafür, wie traurig und verletzt ich bin.
Es war der erste Mensch, dem ich wirklich vertraut habe. Davor habe ich immer abgeblockt, weil ich wusste, dass Menschen einen dann verletzen können. Bei Luis hatte ich diese Angst nicht. Leider.
Jetzt habe ich also die schlimmste Nachricht meines Lebens, und werde gleichzeitig von meinem Freund sitzen gelassen. Das ist sehr schwer zu ertragen.
Ich werde heute das krankenhaus verlassen. Ich möchte meine Familie sehen. Meine Freunde. Mein eigenes Bett haben. Und über mich selbst bestimmen können.
Ich werde nicht aufgeben und weiter versuchen, eine Lunge zu bekommen.
Aber ich habe immer diese unendliche Traurigkeit in mir. Luis hatte immer versprochen, wir würden das zusammen durchstehen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es wirklich mal so weit kommt.
Er hat die Möglichkeit wegzulaufen. Ich leider nicht.=

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