11 – Sei dankbar

April 12, 2012

Gestern konnte ich nicht schreiben. Es war so ein furchtbarer Tag. Meine Biopsie war für 8 Uhr geplant, fand aber erst um 14 Uhr statt, also wartete ich den ganzen Morgen. Ich hatte starke Schmerzen und versuchte zu schlafen, nachdem die Nacht wiedereinmal schlaflos war. Am Mittag besuchten mich meine Großeltern, Tante, Onkel und Cousin. Ich habe mich sehr gefreut sie zu sehen. Wir redeten viel und sie lenkten mich von meinen Schmerzen ab. Dann kam auch mein Vater. Leider musste ich genau da zu meiner Biopsie. Meine Familie wartete die ganze Zeit. Die Ärzte rammten eine unglaublich grosse Nadel in meinen Rücken, in meine Wirbelsäule. Sie konnten mir kein Schlafmittel geben, weil mein Puls und Blutdruck zu niedrig waren. Es war so schmerzhaft dass ich die meiste Zeit weinte.
Als sie fertig waren bemerkte ich, dass ich mein rechtes Bein nicht mehr bewegen konnte und nicht mehr spürte. Ich redete noch ein paar Minuten mit meiner Familie, bevor sie gingen. Mein Vater blieb. Ungefähr eine Stunde später wurde der Schmerz unerträglich. Ich konnte es kaum aushalten, ich schrie und weinte. Sie konnten mir nicht mehr Schmerzmittel geben, wegen dem Blutdruck. Es wurde schlimmer und schlimmer. Mein Vater blieb bis 20 Uhr und ich war so froh, dass er da war, auch wenn er sehr hilflos war. Dann ging er. Ich war kurz davor aufzugeben. Ich wollte nur, dass die Schmerzen aufhören, egal wie. Die Nacht war so furchtbar. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Ich habe mich noch niemals so gefühlt. Es war der Horror.
Am Morgen kam mein Vater zurück. Die Ärzte gaben mir mehr Morphin und andere Schmerzmittel. Sie halfen, und langsam ging es mir besser. Es kamen spezielle Schmerz-Ärzte und die gaben mir zwei weitere Tabletten. Als diese anfingen zu wirken, hatte ich endlich eine Pause. Zum ersten mal seit Wochen war der Schmerz ok. Er war immernoch da, aber er war erträglich. Wir wuschen meine Haare im Bett. Ich spielte mit meinem iPad. Ich konnte essen. Ich malte ein Bild in meinem Bett. Meine Mutter besuchte mich auch.
Ich genoss es so sehr meine Eltern zu sehen. Und ich gewann soviel Stärke, Energie und Hoffnung durch die Schmerz-Pause.
Ich bin jetzt stärker. Ich war wirklich dabei aufzugeben, aber jetzt bin ich wieder bereit zu kämpfen. Sie haben mir gesagt, dass der Schmerz zurück kommen wird. Ich kann meine Füße immernoch nicht spüren oder bewegen. Aber ich bin trotzdem voller Hoffnung. Ich bin so glücklich. Im Moment schaue ich Fernsehen. Der Schmerz kommt schon langsam zurück, aber es ist mir egal. Ich weiss dass ich das hier besiegen kann.
Ich bin so dankbar für alle, die gestern für mich da waren. Ich habe so ein tolles Team, das mit mir kämpft. Was würde ich nur ohne euch alle tun…
Mein bester Freund Arno, der auch diesen Blog für mich hochlädt während ich im Krankenhaus bin, schreibt Bücher. Er schrieb ein Gedicht für mich und veröffentlichte es in seinem kürzlich erschienenen Buch. Das war so süß von ihm. Das Gedicht war so schön, dass ich wirklich geweint habe. Sein ganzes Buch ist toll und gibt mir hier Kraft, aber das Gedicht für mich natürlich am meisten. Ihr solltet es lesen🙂
Am Samstag ist die Geburtstagsfeier meiner Oma. Sie ist so traurig, dass ich nicht kommen kann und ich bin auch traurig. Ich wünschte, ich könnte hingehen und alle sehen. Ich vermisse meine Schwester und meine Brüder. Ich vermisse auch meine Eltern, wenn sie nicht hier sind.
Morgen wird mein Vater mich wieder besuchen. Ich habe ihn gebeten mir Nagellack zu kaufen. Ich möchte meine Nägel lackieren, wenn es mir besser geht. Es verändert alles, wenn sie meine Haare waschen, wenn ich meine Nägel mache. Wenn ich Lipgloss auftrage oder Ohrringe anziehe. Ich mag mich dann mehr. Es hilft mir, mich besser zu fühlen.
Was mir auch hilft, ist Musik. Ich liebe die Musik, die Luis macht. Sein Sohn produziert auch und er machte ein Lied, dass ich in meinem Facebook und Twitter gepostet habe. Ich habe es angehört und mir vorgestellt ich würde tanzen. Ihr solltet es alle anhören🙂 Gerade schaue ich Fernsehen, ich war ewig nicht in der Lage fern zu sehen… Und dann hoffe ich wirklich dass ich schlafen kann. Ich vermisse es zu schlafen.
Es ist unglaublich, von was man träumt wenn man sich lange Zeit schlecht fühlt. Jede Kleinigkeit ist jetzt so riesig für mich. Ich freue mich, wenn ich reden kann, essen kann, schlafen kann, fernsehen kann oder malen kann. Ich freue mich über all die Dinge die für alle andere Menschen normal sind. Es ist wahr wenn Leute sagen, dass man erst weiss, was man hatte, wenn es einem genommen wird. Ich bitte euch alle, seid dankbar für das, was ihr habt und schätzt die kleinen Dinge.

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