7 – Halt mich…!

April 8, 2012

Heute ist Ostersonntag. Auf meinem Frühstückstablett lag ein Osterei. Heute Nachmittag kommt meine Schwester mich besuchen.
Gestern hatte ich nochmal ein Gespräch mit meinem Arzt. Es war sehr deprimierend. Die Entzündungswerte steigen deutlich. Sie sagen, dass sie die intravenöse Antibiose sehr lange einsetzen müssen. Vermutlich mehrere Monate. Nächste Woche wird besprochen ob man die Wirbel operiert. Notwendig wäre es, da die Wirbelsäule instabil ist. Die Keime greifen den Knochen an. Mit diesen Wirbeln werde ich nicht transplantiert werden und werde an meiner Lunge sterben. Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit ohne OP eine Lähmung auftreten. Durch das viele Liegen wird die Lunge schlechter und anfälliger für Lungenentzündungen. Lange würde das wohl nicht gut gehen. Deswegen hoffe ich sehr, dass sich die Ärzte für eine OP entscheiden. Im Moment zweifeln sie aber weil sie sagen, dass die Lunge zu schwach ist und diese OP lebensgefährlich sein wird. Meine Chancen sind momentan nicht allzu gut.
Ich möchte nicht bettlägerig mit Schmerzen auf meinen qualvollen Erstickungstod warten. Falls keine OP gemacht wird bin ich mir noch nicht sicher was ich tun werde. Aber ich möchte in Würde sterben, nicht schreiend und weinend oder als Häufchen Elend.
Die Schmerzen sind nach wie vor extrem. Auch wenn ich sie inzwischen besser verstecken kann bringen sie mich innerlich um. Ich schlafe nachts nicht. Ich kann kein Buch lesen und keine Filme anschauen. Das Essen fällt mir schwer. Wenn der Rückenschmerz schlimmer wird, zieht er in die Beine. Gestern war es so schlimm, dass ich mir das Bein abgehackt hätte wenn ich gekonnt hätte. Es gibt keine Position, die den Schmerz erträglicher macht.
Oft schaue ich Fotos an, von guten Zeiten. Von meinem Urlaub in Puerto Rico. Oder von meinen Ausflügen mit Luis in Deutschland. Die Dinge waren einfacher, als er hier war. Seine bloße Anwesenheit gab mir Kraft. Im Moment wünsche ich mir oft so sehr, einfach mal in den Arm genommen zu werden. Ich wünsche mir, dass jemand da ist der meine Hand hält wenn die Schmerzen so schlimm sind. Jemand, der mir Abends einen Gute-Nacht-Kuss gibt nachdem die Ärzte wieder schlechte Nachrichten überbracht haben. Der mit mir weint und lacht. Ich wünsche mir so sehr jemand hier an meiner Seite, der das mit mir durchsteht. Der gemeinsam mit mir träumt. Der mir bei den kleinen Dingen hilft, die meinen Alltag hier so verdammt schwierig und schmerzhaft machen.
Es ist wirklich schwer Tag und Nacht alleine zu sein, ohne Umarmung, wenn man gesagt bekommt dass man vielleicht stirbt und man auch jeden Tag fühlt, dass es einem schlechter geht und die Ärzte evtl recht haben. Ich wünsche mir so sehr jemanden an meiner Seite.
Gestern habe ich bei Facebook Fotos angeschaut. Luis’ Cousine zum Beispiel ist gerade im Urlaub. Ich habe all die Bilder der Natur in der Dom Rep. Gesehen… Andere Freunde hatten Bilder aus Australien, Japan, Afrika…
Ich wünschte ich hätte mehr Zeit um all diese Orte in echt zu sehen. Ich hatte noch soviel vor…
Die meisten Leute sagen immer einfach nur: ach Quatsch, wir beten für dich, du wirst wieder gesund. Diese nicht wirklich intelligenten Aussagen machen es für mich nicht wirklich leichter. Ich werde nicht aufhören zu kämpfen, ich glaube auch immernoch, dass ich überleben werde. Aber dennoch muss ich mich auch mit dem Gedanken auseinandersetzen, was passieren kann. Viele fragen mich, wie es mir geht, aber wollen es nicht wahrhaben wenn ich sage, dass es mir gerade schlecht geht. Oft würden die Leute mir mehr helfen wenn sie meine Ängste anhören würden, und mit mir darüber sprechen. Wenn ich mal erzählen dürfte, wie schlecht ich mich gerade fühle. Manchmal brauche ich eine Pause von der Rolle als starke Kämpferin. Manchmal brauche ich jemand der für mich da ist und mir zuhört und mich umarmt und drückt. Ich kann nicht immer stark sein…
Zu Ostern würde ich mir eine einzige Stunde ohne Schmerzen wünschen. Wenigstens eine kleine Pause. Einen kleinen Spaziergang in der Sonne. Und am allermeisten, eine Stunde mit Luis hier, in der ich Kraft tanken kann, kuscheln, und einfach mal gehalten werden und zu fühlen, dass ich nicht alleine bin in diesem Kampf.

One Response to “7 – Halt mich…!”

  1. Kerstin Says:

    Ich weiß nicht was ich sagen soll, mir fehlen einfach die Worte! 😦 Du kämpfst gegen einen übermächtigen Feind, der Dein Leben bedroht und wir alle stehen machtlos daneben und können Dir nicht helfen, obwohl wir das nur allzu gerne tun würden. Alles was wir tun können ist in Gedanken bei Dir zu sein, Dich in die Arme zu nehmen, wenn auch nur virtuell, und zu hoffen, dass es doch noch einen Weg gibt damit Du weiterlebst. Ich werde dafür beten, dass sich die Ärzte zu der OP entscheiden, auch wenn das Risiko sehr groß ist, damit Du noch eine Chance hast vielleicht doch noch auf die Liste zu kommen. Das wünsche ich mir sooo sehr!!! Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen pbist Du mir sehr ans Herz gewachsen!


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