3 – Über meinen Schatz

April 4, 2012

Heute geht es mir unverändert. Nach einer schlaflosen Nacht war ich den ganzen Tag sehr müde, die Schmerzen waren wie zuvor.
Ich hatte einige Freunde zu Besuch und meine Mutter war hier.
Wir sprachen darüber wie es für sie ist, zu wissen, dass ihr Kind vor ihr sterben wird. Es ist immer sehr schwer für mich, sie weinen zu sehen. Ich versuche ihr die Angst zu nehmen doch natürlich bleiben meine Bemühungen erfolglos. Das Schlimmste an der Krankheit für mich ist, zu wissen wie traurig und besorgt meine Familie um mich ist. Und natürlich Luis, mein Freund. Als er im Dezember nach Europa kam, um mich zu sehen, war ich in einem Zustand wie er es nie zuvor erlebt hatte. Der schwere Atem, das Bluterbrechen, die Schmerzen, die Kraftlosigkeit- all das wusste er zwar aber hatte es nie miterlebt. Er war wirklich immer für mich da und meisterte die Situation bewundernswert. Es war trotzdem hart für ihn. Er verbrachte Tage und Wochen im Krankenhaus mit mir, er kam am frühen Morgen und blieb bis zum späten Abend. Er hatte kaum Zeit für sich selbst. Alles drehte sich um mich. Ich versuchte, für ihn da zu sein, ihn zu massieren wenn sein Rücken von den Klinik- Stühlen schmerzte. Ich fühlte mich schlecht weil ich ihm nicht annähernd die Liebe geben konnte, die er mir entgegen brachte. Nach einiger Zeit machte er es möglich dass ich die Klinik verlassen konnte, obwohl ich nicht in der Lage war mich zu bewegen. Er trug mich ins Bad, er wusch mich, kochte für mich, brachte all meine Dinge an mein Bett, half mir beim umziehen. Ich war nicht in der Lage irgendetwas alleine zu tun und er versorgte mich rund um die Uhr. Es Tat mir weh, dass ich ihm nichts zurückgeben konnte. Ich war ihm so unendlich dankbar. Obwohl ich mir schon vorher sicher war, dass er der Mann meines Lebens war, wurde mir immer mehr klar wie sehr ich ihn liebe.
Schließlich kam der Tag des Abschieds und Luis musste zurück nach Amerika. Es fiel ihm schwer mich so hilflos alleine zurückzulassen, er wusste, dass ich mich vor Schmerzen kaum rühren konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA telefonierten wir jeden Tag und schrieben uns dauernd Nachrichten. Es ging mir schlechter und ich musste zurück ins Krankenhaus auf die Intensivstation. Ich kann mir nur vorstellen wie schwer es für ihn sein muss. Er ist 5000 Meilen entfernt, seine Freundin ist im Krankenhaus. Jedes mal wenn wir Kontakt haben hört er nur wie schlecht ich mich fühle und wie stark die Schmerzen sind, und obwohl er mir so gerne helfen würde kann er es nicht. Ich will dauernd mit ihm reden weil ich mich so alleine fühle, manchmal lasse ich ihm kaum Zeit für sich selbst. Ich mache das nicht mit Absicht. Ich vermisse ihn nur so. Leider mache ich die Situation damit für ihn noch schwerer. Ich glaube, niemand von uns kann sich vorstellen, was er durchmachen muss. Er weiß, dass seine Freundin an einer tödlichen Krankheit leidet und es ihr immer schlechter geht. Es gibt allerdings nichts was er tun kann und trotzdem bitte ich ihn ständig für mich da zu sein und mir zu helfen. Oft erwarte ich zuviel anstatt für ihn dazusein. Ich weiß selbst nicht, was ich von ihm erwarte. Aber ich weiß, dass er einem enormen psychischen Druck ausgesetzt ist, da er weiß, dass ich an der Krankheit sterben kann und er 5000 Meilen entfernt sitzt und nichts tun kann. Ich Weine ins Telefon und jammere über meine Schmerzen. Und er fühlt sich hilflos und kann nichts tun.
Ich finde, er verdient großen Respekt für all das, was er für mich tut. Eine so kranke Frau zu haben muss sehr schwer sein, vor allem, wenn man so weit entfernt ist und nicht helfen kann. Viele Männer würden weglaufen. Viele würden sich eine einfachere Partnerschaft suchen. Luis ist immer an meiner Seite geblieben. Er hat mir meinen Hintern geputzt und mich liebevoll umarmt als ich dabei vor Scham im Boden versunken bin. Er war immer für mich da, auch wenn er dabei selbst an seine Grenzen gestoßen ist. Ich weiß, dass ich ihn oft nicht perfekt behandle weil ich oft auch am Ende bin. Aber ich hoffe ich kann ihm irgendwann das zurück geben was er mir gibt. Ich liebe ihn über alles und bin ihm so dankbar für alles. Nicht jeder Mann würde das für einen tun. Ich denke er verdient unseren ganzen Respekt.
Luis, ich liebe dich über alles und danke dir für alles was du für mich tust. Du gibst mir Kraft, Hoffnung und Stärke. Du machst mein Leben so perfekt. Danke, dass du diesen Weg gemeinsam mit mir gehst auch wenn ich im Moment oft sehr anhänglich bin und dir manchmal zu wenig Freiraum lasse. Ich werde Versuchen das zu ändern. Versprochen.

WICHTIGE NEUIGKEIT

Ich bin momentan nicht auf der Warteliste für eine neue Lunge weil mein Zustand nicht gut genug ist und es momentan einige Kontraindikationen für eine Transplantation gibt. Mein nächster Termin zur Wiedervorstellung war für den 19.4. Geplant. Heute bekam ich eine Nachricht, dass bereits entschieden wurde dass ich bis Juli nicht gelistet werde. Gleichzeitig sagen die Ärzte mir, dass wir uns beeilen müssten, neue Lungen zu bekommen.
Im Moment bin ich sehr Down und nicht sicher wie ich mit dieser Entscheidung umgehen werde. Ich werde nicht aufgeben und mein bestes geben um weiterzumachen aber heute ist es sehr schwer.

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